Samstag, 2. Mai 2015

Wenn ich groß bin, werde ich Immobilienhai - auf Wohnungssuche in Paris

Nachdem die Frage geklärt war, in welche Stadt es uns ziehen sollte, mussten wir uns der nächsten Herausforderung stellen: Die Wohnungssuche.

Dass die Wohnungssituation in Großstädten wie Paris - sagen wir mal - angespannt ist, war uns bewusst. Trotzdem gingen wir ein wenig blauäugig an die Sache heran.

Unsere Vorstellung war die folgende:
Willi zieht einen Monat vor mir nach Paris, um seinen Job anzutreten und  nimmt sich währenddessen über Airbnb und Kleinanzeigen ein Zimmer. Und hat dabei genug Zeit sich einige Wohnungen anzuschauen, die wir dann pünktlich Ende Januar beziehen können. 
Die Realität:
Zwar gibt es ähnlich wie in Deutschland Internetforen, über die man nach Wohnungsangeboten Ausschau halten kann, allerdings muss man bei jeder Anzeige mit mindestens 50 Mitbewerbern rechnen. Davon abgesehen, dass die meisten Wohnungen über eine Immobilienagentur vermittelt werden. Man sollte sich also zur Wohnungsbesichtigung (wenn man überhaupt dazu eingeladen wird. Manchmal scheiterte es bereits daran, dass die Vermieter keine ausländischen Mieter akzeptieren.) sein bestes Hemd anziehen und mit einer Bewerbungsmappe (Dossier genannt) vollgestopft mit finanziellen Sicherheiten und Zeugnissen, die einem zum perfekten Mieter machen, erscheinen. Und dabei irgendwie aus der Masse der 50 anderen Bewerbern herausstechen. 
Nun kann man sich denken, dass die Vermieter dieser Stadt nicht gerade auf ein deutsches unverheiratetes Pärchen gewartet hat, dass gerade erst auf den Arbeitsmarkt geworfen wurde. 

Wir ließen uns aber nicht entmutigen und verfolgten eine andere Strategie: Wenn die Immobilienagenturen sowieso den Wohnungsmarkt regieren, warum nicht diese gleich um Hilfe bitten? Schließlich werden sie dafür bezahlt, verzweifelten Wohnungssuchenden ein Dach über den Kopf zu verschaffen. Oder nicht?

Unsere Vorstellung: 
Wir: "Guten Tag, wir suchen eine Wohnung. Sie soll mindestens XXm² groß sein und nicht mehr als YYY Euro kosten. Haben Sie was da?"
Immobilienmakler: "Ja natürlich! Lassen Sie uns einen Termin ausmachen. Wir können uns morgen die ersten 5 Wohnungen anschauen."

Also streiften wir durch die Straßen von Paris und klopften an die Türen der Immobilien-Büros, die hier an jeder Ecke zu finden sind. Und so sahen die Dialoge dann in der Realität aus:
Wir: "Guten Tag, wir suchen eine Wohnung. Sie soll mindestens XXm² groß sein und nicht mehr als YYY Euro kosten. Haben Sie was da?"
Immobilienmakler: "Moment..." - schaut in seinen Computer - "Wir hätten gerade eine 2-Raum-Wohnung mit 27m" für nur 1500Euro kalt."
Wir: "Ähm, das ist noch nicht das Richtige.."
Immobilienmakler: "Mh.. Dann schauen Sie am besten einfach immer mal auf unsere Homepage. Dann können Sie sich ja bei uns melden, wenn Sie was Passendes gefunden haben."

Dabei wurde mir eines klar: Die mächtigsten Menschen Paris' sind nicht etwa Bürgermeister, Polizisten oder Banker. Nein, wenn man über allen Dingen stehen will, sollte man Immobilienmakler werden. Sie halten das Schicksal tausender armer Seelen in ihren Händen, die nichts anderes wollen, als ein warmes Zuhause für sich und ihre Lieben zu finden. 

- und Müllmänner. Die haben auch viel Power. Aber das thematisiere ich vielleicht ein anderes Mal. -

Die Rettung kam dann in Form einer Anzeige auf craigslist (Internationale Kleinanzeigenseite). Ein französischer Unternehmer suchte einen Zwischenmieter für seine Wohnung im 11. Arrondisement, weil er kurzfristig beruflich für mehrere Monate verreisen musste. Zum Glück war Willi zur Stelle und handelte einen Vertrag zur Untermiete aus. So haben wir auf unbürokratische Weise zumindest für die ersten Monate unserer Zeit in Paris eine Unterkunft gefunden und haben Zeit, um uns um ein längerfristigeres Zuhause zu kümmern. 

Bald kann ich hoffentlich auch eine Aussage darüber trffen, wie es für uns in den nächsten Monaten weitergehen wird. Bis dahin heißt es weiterhin: Daumen drücken.